Sonntags fährt man ja gerne in die Pfalz, um rauszukommen. Raus aus dem Alltag, raus aus der gewohnten Umgebung, vielleicht sogar ein kleines Stück raus aus sich selbst. Frische Luft, Bewegung, Natur.
Also: auf nach Deidesheim mit Ziel Gimmeldingen. Ein Klassiker. Allerdings keiner von der gemütlichen Sorte. Statt durch sonnige Weinberge ging es durch den Wald – auf schmalen Pfaden, mit durchaus beachtlichen Steigungen und Abstiegen. Eine Wanderung, die einen nicht nur voranbringt, sondern zwischendurch auch daran erinnert, dass man Muskeln besitzt, die fast in Vergessenheit geraten sind – aber nur fast…
Die Pfalz liefert trotzdem zuverlässig: Natur, Ruhe – und dieses Gefühl, dass das Leben außerhalb von Terminkalendern und To-do-Listen doch ganz passabel organisiert ist. Auch wenn man zwischendurch kurz darüber nachdenkt, ob der nächste Anstieg wirklich notwendig gewesen wäre.
Und dann kommt die Looganlage.
Ein Ort, der wie gemacht ist für eine Pause. Wir saßen allerdings nicht draußen, sondern drinnen – im Innenbereich, wetterbedingt bodenständig. Denn irgendwo zwischen Waldpfad und Einkehr hatte ein Graupelschauer beschlossen, den Tag kurz neu zu strukturieren. In diesem Moment wich der klare Durchblick einer sehr praktischen Entscheidung: Brille ab, Sicht eingeschränkt, Hauptsache ankommen.
Man kommt also an, sucht erst den reservierten Tisch und dann die Toilette. Die am Nebentisch sitzende große Gruppe nimmt man zunächst nur am Rande wahr. Stimmen, Gespräche, Hintergrundrauschen.
Bis die Brille wieder ins Spiel kommt.
Einmal gesäubert, wieder aufgesetzt – und plötzlich wird aus der anonymen Gruppe ein Stück Heimat. Denn einige der Personen kenne ich. Persönlich. Aus Worms-Leiselheim.
Ich blinzele kurz, als müsse sich das Bild erst sortieren. Aber nein: Da sitzt man wirklich. Mitten in der Pfalz, nach einer durchaus anspruchsvollen Wanderung durch den Wald – und trifft auf Menschen aus dem eigenen Ort. Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort.
Zufall? Schicksal?
Es hat etwas wunderbar Absurdes. Man fährt los, um Abstand zu gewinnen, landet nach schweißtreibenden Höhenmetern und einem Graupelschauer in einer Gaststube – und erkennt, dass man dem Alltag vielleicht doch nicht ganz entkommen kann.
Nur die Kulisse hat sich geändert.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Die Welt ist vielleicht groß – aber Leiselheimer trifft man überall.
Und manchmal braucht es nur eine saubere Brille, um das zu erkennen.
